Aktualisiert:15.01.2012

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Hamburger Abendblatt 3. September 2003

Ammersbeker Rathaus: Senioren beraten Senioren

Premiere: Ältere Bürger setzten sich ehrenamtlich für ihre Altersgenossen ein - und entlasten die Verwaltung.

Von Alexander Sulanke

Wer kennt die Fragen, Sorgen und Nöte der Senioren besser als die Senioren selbst? Und wer, wenn nicht sie, weiß dann Antworten, kann Ratschläge geben oder Hilfe leisten? So geschieht es ab sofort in Ammersbek. Dort startet die erste Beratung von Senioren für Senioren, ehrenamtlich organisiert zwar, aber offiziell im Rathaus und in enger Zusammenarbeit mit dem Ordungs- und Sozialamt. Sprechstunde ist ab sofort Dienstags im Erdgeschoss in Zimmer 10.

"In vielen Gesprächen wird es sicherlich darum gehen, wie allein lebende ältere Menschen ihre Selbstständigkeit in ihrer eigenen Wohnung so lange wie möglich wahren können", vermutet Walter Goedeke (70), der zusammen mit Wolfgang Widmaier (64) und der noch deutlich jüngeren Sybille Wronski (50) das bis jetzt dreiköpfige Beraterteam bildet. "Wir können Betroffenen dann erklären, welche Möglichkeiten der häuslichen Pflege es gibt. Wir können bei Bedarf aber auch bei der Suche nach einem Heimplatz suchen helfen", sagt Goedeke. "Im konkreten Fall kann man auch mitgehen und sich mit dem Betroffenen eine Einrichtung ansehen."

Die Berater helfen auch bei der Suche nach einem Heim.

Auch wenn es um Rente, Pflegeversicherung, Schwerbehinderung, Vorsorgevollmacht, Patienten- oder Betreuungsverfügung geht, sind ehrenamtlichen Seniorenberater die richtigen Ansprechpartner - natürlich neutral, unparteiisch und absolut verschwiegen, wie Walter Goedeke betont. Sie wissen, wovon sie sprechen, haben sich in Seminaren fortgebildet. Goedeke und Sybille Wronski sind zudem seit Jahren im Betreuungsverein Stormarn aktiv. "Wir maßen uns aber nicht an, jetzt alle fachlichen Fragen richtig zu beantworten", sagt Goedeke. Im Zweifel verweisen er und seine Mitstreiter deshalb an die zuständige Behörde weiter.

Eine große Entlastung für die Verwaltung wird die ehrenamtliche Sprechstunde sicherlich. "Oft geht der Beratungsbedarf eben über das hinaus, was wir im Rathaus leisten können", sagt Marko Müller (26), stellvertretender Leiter des Ammersbeker Ordnungs- und Sozialamts, und nennt ein Beispiel: "Manchmal kommen Leute, denen ihr Arzt vielleicht gerade noch dabei geholfen hat, den Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Dann wollen sie von uns wissen: Was ist mit Wohngeldansprüchen? Was ist mit Parkhilfen?"

Die ehrenamtliche Seniorenberatung dient in Ammersbek also auch als eine Art Filter, der dafür sorgt, dass sich die Mitarbeiter des Amts nur mit den Fällen beschäftigen müssen, in denen sie - und nur sie - helfen können und müssen.

Ein Thema, das einen immer höheren Stellenwert bei älteren Stormarnern bekommt, ist das Betreuungsrecht mit seiner zentralen Frage: Wie lassen sich die Interessen solcher Menschen am besten wahrnehmen, die nicht mehr in der Lage sind, ihr Leben selbst zu organisieren? Hier rechnen die ehrenamtlichen Seniorenberater auch mit vielen jüngeren Ratsuchenden. "Das ist ja ein Problem, vor dem jeder stehen kann, der ältere Angehörige hat", sagt Walter Goedeke.

Somit haben es die ehrenamtlichen Seniorenberater mit einer großen Zielgruppe zu tun. "Wenn wir alle Ammersbeker zählen, die selbst im Seniorenalter sind oder Angehörige in diesem Alter haben, kommen wir ungefähr auf 5000", schätzt Bürgermeister Axel Bärendorf (45).